ParaNorman


ParaNorman ist eine gelungene Hommage an alle Grusel- und Horrorfilme und erzählt eine liebevolle, wenn auch konventionelle Geschichte über Vorurteile und Stigmata, welche durchaus an die berühmte Frankenstein-Thematik erinnert. Norman Babcock ist ein elfjähriger Junge, welcher sich sehr für Horrorfilme und makabere Geschichten interessiert und spätestens ab dem Zeitpunkt, als er behauptet, Geister zu sehen und mit Toten sprechen zu können, nicht nur bei seiner Familie auf Unverständnis trifft, sondern auch in der Schule gemobbt und gedemütigt wird. Seine Gabe ist aber tatsächlich vorhanden und außer ihm, sieht auch niemand die tote Großmutter im Wohnzimmer und die Tatsache, dass Norman sich mit Geistern unterhält und vermeintlich auf offener Straße Selbstgespräche führt, macht die Situation auch nicht besser. Nur ein übergewichter Junge namens Neil versucht sein Freund zu sein und fühlt mit ihm, da er ebenfalls zum Gespött der Schule wird. Eines Tages erscheint jedoch Normans Onkel, welcher einsam und isoliert im Wald lebt und erzählt ihm aufgebracht, dass die Toten schon bald in die Welt der Lebenden zurückkehren werden und er selbst über Jahre hinweg dafür gesorgt hat, dass dieses Ereignis nicht eintrifft. Eine Legende aus Normans Heimatstadt besagt, dass eine Hexe zum Tode verurteilt und hingerechtet wurde. Vor ihrem Tod, soll sie die Schuldigen verflucht haben, niemals in Frieden ruhen zu können und sich eines Tages aus ihrem Grab zu erheben. Norman hält ihn zunächst für verrückt, doch es kommt, wie es kommen muss. Sein Onkel stirbt und nun liegt es an dem Jungen, die Hexe vor dem Erwachen abzuhalten. Leider ist die genaue Grabstätte der Hexe unbekannt und die Zombies steigen ihren Gräbern empor. Norman, seine etwas zu oberflächliche Schwester, Neil, dessen stereotyper, naiver Bruder und ein typischer Mobber versuchen nun, nicht nur vor den Zombies zu fliehen, sondern die Hexe wieder zu vertreiben. Norman realisiert jedoch im Laufe der Handlung, dass die Menschen seit jeher auf Vorurteile und Stigmata zurückgreifen und Menschen, wie Norman selbst oder die Hexe, welche gegen die subjektive Normalität verstoßen und Angst erzeugen, immer verfolgt haben und versucht, die wahre Geschichte über die Hexe und deren Hinrichtung herauszufinden, welche sich melancholischer und trauriger gestaltet, als es der Zuseher vermutet.

Wie zu erkennen ist, verlässt sich "ParaNorman" nicht nur auf makabere und äußerst gelungene Gags und Parodien auf Gruselfilme (eine gepfählte Fallschirmspringerin, welche herumhängt, Zombieklischees oder Normans Klingelton aus Freitag der 13), sondern erzählt auch eine interessante Handlung. Während Norman und die Hexe sehr gelungene Charaktere darstellen, wirken die anderen Figuren etwas stereotyp. Die oberflächliche Schwester, welche nicht an Normans Fähigkeiten glaubt und ihn ebenfalls für verrückt hält, der naive, unintelligente Muskelprotz und der widerliche Schulschläger hätten durchaus mehr Charaktertiefe erhalten können. Amüsant und unterhaltsam sind sie jedoch trotzdem. Der Soundtrack ist ebenfalls sehr gelungen und besonders ein dramatisches, mit Violinen unterlegtes Stück am Ende des Films ist phantastisch. Leider ist genau dieses Stück nicht im Soundtrack enthalten. Die Animationen und Grafiken des Studios Laika (Coraline) sind sehr detailliert und liebevoll, was bei einer Produktionszeit von mehreren Jahren auch zu erwarten ist. ParaNorman hat mich positiv überrascht und wer bereits Filme wie Coraline und Nightmare before Christmas mochte, kann bedenkenlos zugreifen. Aufgrund makaberer Inhalte, Anspielungen auf Horrorfilme, wie zum Beispiel "Der Tag der lebenden Toten" oder "Freitag der 13", einigen melancholischen und traurigen Szenen gegen Ende und der Sozialkritik, ist ParaNorman nicht unbedingt für Kinder geeignet, sondern sollte von Jugendlichen und Erwachsenen gesehen werden.

Regie: Sam Fell Chris Butler
Drehbuch: Chris Butler
Produktion: Travis Knight Arianne Sutner
Musik: Jon Brion
Kamera: Tristan Oliver
Schnitt: Christopher Murrie
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 92 Minuten

Kommentare:

  1. Ich mochte den auch sehr (obwohl ich ihn sogar eher nur zufällig im Kino geschaut habe).

    Mit der Brillanz von Coraline mMn nicht ganz vergleichbar, aber sehr vergnüglich, rasant, und dieses grell flackernde Finale hat mich dann auch von "künstlerischer" Warte aus begeistert.

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  2. An Coraline reicht ParaNorman meines Erachtens auch nicht heran, aber er ist trotzdem sehr sehenswert. In der deutschen Synchronisation geht übrigens eine Poente verloren, da sich am Ende herausstellt, dass einer der Charaktere homosexuell ist. Aus "Boyfriend" wurde einfach nur "Freund".

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