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Der Chef (Un Flic)



Bei "Der Chef" handelt es sich leider um Jean-Pierre Melvilles letzten Film und er besitzt, wie auch seine bisherigen Meisterwerke "Vier im roten Kreis" und "Der eiskalte Engel", eine durchgehende Melancholie, welche in grau-blauen Farben dargestellt wird und ein düsteres Frankreich beleuchtet, welches wohl den wenigsten Menschen in dieser Form bekannt sein dürfte. Die Protagonisten des Films sind schweigsam, jedoch nicht still, da Mimik und Gestik mehr aussagen, als mancher klischeebehafteter Dialog. Der Chef beginnt mit einem präzise organisierten Banküberfall und der anschließenden Flucht, welche leider für den Kopf der Verbrecher, Simon (Richard Crenna), eine unangenehme Wendung nimmt, als einer seiner Komplizen eine Schusswunde davonträgt. Gleichzeitig beleuchtet die Handlung den Alltag des unterkühlten und erfahrenen Kommissars Edouard Coleman (Alain Delon). Mord, Drogenhandel und Korruption begleiten ihn seit Jahren und da die Geschichte keinen Einblick in sein Privatleben erlaubt, haftet der Eindruck des Zusehers auf Colemans Vorgehensweisen, welche durchaus eigenwillig und direkt wirken, jedoch zum gewünschten Erfolg führen. Über einen Informanten erfährt Coleman von einem Drogenhandel und Simon scheint sowohl in den Banküberfall, als auch mit dem geplanten Drogenhandel in Verbindung zu stehen. Dieser steht wiederum vor der Entscheidung, was nun mit dem Komplizen geschehen soll. Entführung aus dem Krankenhaus oder Mord? Schließlich ist die Gefahr vorhanden, dass er den Ermittlern Informationen offenbaren könnte. Was sich zunächst nüchtern anhört, wird durch die Tatsache erschwert, dass sich Coleman und Simon kennen und sogar die gleiche Frau lieben. Jean-Pierre Melvilles letzter Film ist ebenso kühl und distanziert inszeniert, wie seine früheren Werke, gewährt dem Zuseher jedoch zu wenig Einblicke in das Leben der Charaktere, weshalb "Der Chef" bei mir nicht die gleiche, intensive Wirkung, wie zum Beispiel "Der eiskalte Engel" erzielen konnte.

Großartig ist der Film trotzdem und eine Empfehlung für jeden Liebhaber von französischen Kriminalfilmen. Besonders die bedrückende, melancholische Atmosphäre, lässt Filme von Jean-Pierre Melville angenehm anders wirken und er selbst pflegte zu sagen, dass er Farbfilme in Schwarz-Weiss inszenieren möchte, was ihm auch hervorragend gelungen ist. Leider verstarb er kurz nach diesem Film und mit ihm die Aussicht auf weitere, grandiose Verbrecherfilme. Manche Kritiker fühlen sich an der Inszenierung des Zugüberfalls gestört, da sowohl der Hubschrauber, als auch der Zug, als offensichtliche Modelle zu erkennen sind, doch tut dies der Spannung keinen Abbruch und es sollte bedacht werden, dass Melvilles Studio nach "Der eiskalte Engel" abbrannte, das Budget beachtet werden musste und der Verlust eines eigenen Studios, für einen Regisseur nur schwer zu verkraften ist. Der Chef mag nicht der beste Film von Jean-Pierre Melville sein, doch handelt es sich trotzdem um einen hervorragenden Kriminalfilm auf hohem Niveau und ich kann definitiv eine Kaufempfehlung aussprechen.

Regie: Jean-Pierre Melville
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
Produktion: Robert Dorfmann
Musik: Michel Colombier
Kamera: Walter Wottitz
Schnitt: Patricia Nény
Erscheinungsjahr: 1972
Länge: 98 Minuten

Alain Delon: Kommissar Edouard Coleman
Richard Crenna: Simon

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