Der eiskalte Engel


Der eiskalte Engel (Le Samourai) stellt meines Erachtens Alain Delons besten Film dar und handelt von einem einsamen Auftragsmörder, welcher in eine Grenzsituation seines Lebens gerät. Jef Costello führt ein einsames, introvertiertes Leben und meidet jeden Kontakt zur Gesellschaft. Sein emotionsloser, beinahe stoisch wirkender Gesichtsausdruck und das spärlich eingerichtete Apartment lassen bereits erkennen, dass Costello nur bedingt zu Emotionen fähig ist und ein psychischer Druck auf ihm lasten muss. Nur gelegentlich trifft er eine Geliebte und das einzige Lebewesen, um welches Jef sich tatsächlich kümmert, ist sein Kanarienvogel. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Auftragsmörder, doch soll sein nächster Einsatz sein bisheriges Leben verändern. Costello besorgt sich eine Waffe, lässt sein Nummernschild austauschen und begibt sich zu seinem Bestimmungsort. Mit einer unterkühlten Selbstsicherheit betritt er einen Nachtclub, exekutiert die Zielperson und verschwindet, ohne Aufsehen zu erregen. Trotzdem erinnern sich einige Zeugen an einen Mann mit Trenchcoat und einem ins Gesicht gezogenen Hut. Der leitende Kommissar lässt potentielle Männer, auf welche die Beschreibung zutrifft und die sich in der näheren Umgebung aufhalten, festnehmen. Das Alibi seiner Geliebten, vage und sich widersprechende Zeugenaussagen und die Entlastung durch eine Pianistin führen schließlich zu Costellos Freilassung. Doch warum hat ihm diese Frau geholfen? Als sich Jef mit einem Komplizen seiner Auftraggeber trifft, wird er bei der Geldübergabe beinahe getötet und kann im letzten Moment fliehen. Jef gerät zunehmend zwischen die Fronten und es ist fraglich, wie er diese Grenzsituation bewältigen kann. Sein ehemaliger Auftraggeber möchte ihn ermorden lassen, da es ungewiss ist, ob Costello beim Verhör Informationen preisgegeben hat oder die jetzige Beschattung der Polizei zum Auftraggeber führen könnte und der Kommissar versucht seine Geliebte zu manipulieren. Zum Beispiel wird der Auftragsmörder auf ein Abhörgerät in seiner Wohnung aufmerksam, da sich sein Kanarienvogel eigenartig verhält und ein Fremder den Raum betreten haben muss. Sein gesamtes Umfeld scheint sich gegen ihn zu stellen und die Polizei beobachtet ihn bei allen Aktionen. Gleichzeitig fühlt sich Jef zu der mysteriösen Pianistin hingezogen. Die einzige Möglichkeit sein Leben zu retten, ist eine direkte Konfrontation mit dem Auftraggeber, doch stellt sich die Frage, für was der einsame, emotionslose Protagonist überhaupt lebt.

Die Atmosphäre von "Der eiskalte Engel" ist melancholisch, kalt und bedrückend. Dialoge werden nur sehr selten verwendet und die Handlung beleuchtet das Leben eines wortkargen, emotionslosen Mannes, welcher es dem Zuseher trotzdem erlaubt, eine Bindung zu ihm aufzubauen. Die Vergangenheit und Gründe, welche zu dieser schizoiden Persönlichkeitsstörung führten, bleibt ebenso undurchsichtig, wie der Protagonist. Auch die Kameraeinstellung und Kulissen verstärken diesen Eindruck. Ein grauer Himmel und ein permanenter Regen umhüllen die Stadt, welche in vielen Weitwinkeln dargestellt wird und einen düsteren Einblick Frankreichs ermöglicht. Alain Delons schauspielerische Leistung grenzt an Perfektion und sein stoischer Gesichtsausdruck, Mimik und Gestik erreichen besonders in den Szenen mit seiner ehemaligen Frau und am Ende des Films ihren Höhepunkt. Leider war bereits die Produktion des Films in Dunkelheit gehüllt und geht mit vielen Verlusten einher, da André Salgues (Jefs Kontaktmann) kurz nach den Dreharbeiten starb, Alain Delon sich von seiner Frau trennte und am Ende auch noch das gesamte Studio abbrannte, bei welchem Inferno leider auch der Kanarienvogel starb. Der eiskalte Engel ist bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf deutscher DVD veröffentlicht worden, weshalb ich ihn in französischer Sprache mit englischen Untertiteln angesehen habe. Wer über Französischkenntnisse verfügt, kann sich den Film sogar auf Blu Ray kaufen (Keine Untertitel). Da im Film kaum gesprochen wird, tendiere ich dazu, mir genau diese Version zu kaufen. Der eiskalte Engel ist ein sehr außergewöhnlicher, symbolischer Film mit einem interessanten und tragischen Protagonisten, welcher besonders durch seine bedrückende Atmosphäre überzeugt und ich kann jedem Zuschauer empfehlen, sich diesen Film zu kaufen. Für Fans von Alain Delon, ohnehin ein Pflichtkauf.

Regie: Jean-Pierre Melville
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
Produktion: Raymond Borderie, Eugéne Lépicier, Jean-Pierre Melville
Musik: Francois de Roubaix
Kamera: Henri Decaë
Schnitt: Monique Bonnot, Yo Maurette
Erscheinungsjahr: 1967
Laufzeit: 98 Minuten

Alain Delon: Jef Costello
François Périer: Superintendant
Nathalie Delon: Jane Lagrange
Cathy Rosier: Valerie, die Pianistin

Auch der grandiose Soundtrack ist erwähnenswert:



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