Der Mantel

Der Mantel zählt zu Nikolai Gogols bekanntesten Geschichten und wirkt wie die russische Version von Bartleby, der Schreiber. Akaki Akakijewitsch ist ein sehr unscheinbarer Beamter, welcher Dokumente kopiert und diese Arbeit nicht nur beruflich gerne ausübt, sondern sogar in seiner Freizeit seiner geliebten Tätigkeit nachgeht. Er ist ein sehr freundlicher, unschuldiger und gutmütiger Mann, welche Charaktereigenschaften gerne von der Gesellschaft ausgenutzt werden. Akaki wirkt sehr naiv und wird regelmäßig von seinen Kollegen erniedrigt und gedemütigt. Um sich zu wehren, fehlt ihm der Mut und die Entschlossenheit. Er möchte nur seine Arbeit verrichten, in seinem bescheidenen Heim etwas essen, noch ein paar Dokumente abschreiben und danach schlafen. Ein monotones, jedoch für ihn glückliches Leben. Während eines strengen Winters ist jedoch sein treuer Mantel, welcher von seinen Kollegen nur abwertend als Schlafrock bezeichnet wird, kaum noch zu gebrauchen und Akaki beginnt zu frieren. Der meistens betrunkene Schneider kann den betagten Mantel jedoch nicht mehr flicken und bietet Akaki an, ihm einen neuen Mantel anzufertigen. Das Gehalt eines Beamten ist leider sehr spärlich und seine Ersparnisse reichen nicht einmal annähernd aus. Durch eine Gratifikation und seiner hervorragenden Arbeit erhält der unschuldige Mann jedoch genügend Geld um sich das ersehnte Stück leisten zu können. Zum ersten mal in seinem Leben verspürt Akaki eine Art Vorfreude. Nur die besten Materialien sollen verwendet werden und als er ihn zum ersten mal trägt, bietet der Mantel Akaki nicht nur Schutz vor der Kälte, sondern einen schützenden Schild für seine Psyche.

Die Kollegen sind beeindruckt, Zuhause betrachtet Akaki das gute Stück mit einem freudigen, sanften Lächeln und sein Glück scheint perfekt zu sein. Leider zeigt die Gesellschaft erneut ihr hässliches Gesicht und Akaki wird überfallen und seinem Mantel beraubt. Verzweifelt wendet er sich an die Polizei und Beamte, doch wird er von allen zurückgewiesen. Durch einen Sprachfehler, bei welchem der Beamte bei Nervosität nur noch "Dings" herausbringt und sein "Dings, der Mantel Dings" wurde gestohlen, nimmt ihn ohnehin Niemand mehr ernst. Mit dem Verschwinden des Mantels bricht der arme Beamte psychisch zusammen und erkrankt. Doch ist dies erst der Beginn der Geschichte und was nüchtern erscheint, nimmt eine phantasievolle Wendung. Der Mantel überzeugt besonders durch seinen unschuldigen und naiven Protagonisten, welcher einfach nur sein Leben leben möchte, jedoch an der Gesellschaft scheitert und dem Leser viele Emotionen entlocken wird. Wer Bartleby, der Schreiber mochte, wird auch diese Kurzgeschichte mögen.

8,5/10

Kommentare:

  1. Danke für den Hinweis! Ich las von Gogol lediglich mal die Hälfte von "Die toten Seelen" und mied - mit zwölf Jahren! - den Schriftsteller später, weil sein Meisterwerk kein Horrorroman war. ;) Seltsam: Dostojewskis "Die Dämonen" liess ich durchgehen; dem armen Gogol verzieh ich nie...

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  2. Bitte. Die toten Seelen kenne ich noch nicht. Der Mantel und Die Nase kosten beim Anaconda-Verlag zusammen 2.90 Euro, wie viele andere Klassiker, wenn du die Kurzgeschichten nachholen möchtest. Ein Buch welches ich aus meiner Kindheit mied und mir bis in meine Jugendzeit Bücher verdarb war Anne Frank. Zum ersten mal hat mich mit 10 Jahren ein Buch wirklich interessiert und der Lehrer kam auf die Idee einen Test daraus zu machen. Aber nicht über den Inhalt, sondern sinnfreien Fragen wie zum Beispiel das Büro aussah oder das Aussehen einer Figur, welche zu Beginn nur einmal auftauchte und nicht einmalm in die Handlung integriert wurde. Ich war so enttäuscht, dass ich bis 12 kein Buch mehr gelesen habe.

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